Dienstag, 3. Juli 2007

Ausbildungspakt

Aus einem Schreiben von mir an den Präsidenten der örtlichen IHK zur Aufforderung an uns, dem Ausbildungspakt beizutreten und noch Ausbildungsplätze zu schaffen:

"Sehr geehrter (Herr Präsident der IHK),

vielen Dank für Ihr Schreiben zur Ausbildungspaktinitiative, welches uns heute erreichte.

Wir sind uns der enormen Verantwortung bewusst, welche wir gegenüber den jungen Generationen haben. Bereits seit den Anfangsjahren des Unternehmens haben wir regelmäßig Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt. So haben wir im letzten Jahr XXX Auszubildenden eine kaufmännische Ausbildung in unserem Unternehmen ermöglicht und haben in diesem Jahr erneut XXX Ausbildungsplätze geschaffen, die bereits vergeben wurden. Da uns für die XXX Bewerber, die ab dem 01.08. diesen Jahres ihre Ausbildung beginnen, noch keine ärztlichen Eignungsnachweise gemäß § 32 JArbSchG vorliegen, konnten deren Ausbildungsverträge noch nicht eingereicht werden. Mehr Ausbildungsplätze können wir leider nicht anbieten, wollen wir eine fundierte fach- und sachgerechte Ausbildung gewährleisten. Bezogen auf die momentane Größe unseres Unternehmens – XXX Mitarbeiter, davon ca. XXX im kaufmännischen Bereich – glauben wir jedoch unserer Verantwortung in ausreichendem Maße nachzukommen.

Wir möchten bei dieser Gelegenheit jedoch auch einmal auf die scheinbar fehlende Motivation und die mangelnde Qualität der Bewerber zu sprechen kommen.

Ganze 11 Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz gingen zwischen Juli 2006 und April 2007 bei uns ein, obgleich unser Unternehmen zu den größten Arbeitgebern in der Region zählt. Die Vakanz von Ausbildungsstellen haben wir noch in 2006 sowohl der IHK, als auch der Agentur für Arbeit gemeldet. Dennoch erreichten uns nicht mehr Bewerbungen. Über die Ursachen hierfür kann nur spekuliert werden, aber wenn nach Ihren Aussagen für zahlreiche ausbildungswillige und –fähige junge Menschen noch kein Ausbildungsplatz zur Verfügung steht, kann es unserer Ansicht nach nur an der fehlenden intrinsischen Motivation der jungen Menschen liegen, sich zu bewerben; bieten wir doch eine hoch interessante und abwechslungsreiche Ausbildung in einem internationalen Unternehmen an einem hoch modernen Arbeitsplatz in fast familiärer Umgebung.

Erschwerend hinzu kommt, dass auch die Qualität der Bewerber, jedenfalls für den kaufmännischen Beruf, unserer Wahrnehmung nach, deutlich gesunken ist. Zugegeben, fast jeder Generation fehlte in mancherlei Hinsicht das Verständnis für die Weltanschauung der nachfolgenden Generation, aber der Bildungsstand und insbesondere die Grundeinstellung zahlreicher Jugendlicher sind in der jetzigen Form nicht mehr hinnehmbar. Zur Verdeutlichung mag die nachfolgende auszugsweise Wiedergabe eines Vorstellungsgesprächs mit einem Ausbildungsplatzbewerber dienen, welches der Unterfertigte gemeinsam mit der Ausbildungsleiterin Anfang Mai diesen Jahres geführt hat.

Auf meine Nachfrage, welchen Hobbies und Freizeitaktivitäten der Bewerber nachgehe, antwortete dieser: „mit Freunden abhängen und so“. Auf weiteres Nachfragen, was man denn dabei so alles mache, antwortete der Bewerber vollkommen ernst und ohne eine Miene zu verziehen: „saufen“. Auf den etwas schockierten und mit ironischem Unterton vorgebrachten Einwand meinerseits, dass er – ein übrigens noch nicht volljähriger Bewerber – damit doch wohl hoffentlich Cola oder Limo meine, entgegnete er lapidar: „nein nein, Bier und harte Sachen, aber das macht doch jeder“.

Wir jedenfalls haben noch keine Lösung, wie man solchen Bewerbern einen geeigneten Ausbildungsplatz verschaffen kann. Aber zumindest war er aufrichtig.

Freundliche Grüße"

Keine Kommentare: