Seit zwei Tagen versuche ich nun, besagtes ernsthaftes Gespräch zu führen, es gelingt mir einfach nicht. Obwohl Boss das für heute morgen 11.00 Uhr angesetzt hat, ist nichts passiert. Er kam zwar gegen 10.30 Uhr, wurde dann aber von seiner "Ex-oder-nicht-oder-doch-wieder-oder-wieder-nicht-ex"-Lebengefährtin und von seinem Filius durch deren sich ständig abwechselnden Telefonanrufe komplett in Beschlag genommen. Es muss wohl sehr wichtig gewesen sein, wenn man in vier Stunden ca. zehnmal anruft. Danach musste er noch mit unserem in England wohnenden Handelsvertreter reden, der zugegebenermaßen um 15.00 Uhr seine Heimreise antreten musste. Als er um 15.15 Uhr dann wieder in sein Büro kam, habe ich ihn sofort verhaftet, aber er sagte mir, er müsse jetzt leider weg. Was kann so wichtig sein, dass er dem für mich äußerst wichtigen Gespräch vorziehen muss? Es geht hier schließlich um einen Misstrauensvorwurf, den ich auf keinen Fall auch nur ansatzweise im Raum stehen lassen kann. Sein nächster Termin ist erst um 17.00 Uhr nur ein paar Kilometer von hier. Das kann es kaum sein, um da hin zu kommen, braucht er höchstens 10 und nicht 105 Minuten. Will er noch ein kleines Schläfchen halten? Muss er etwas wichtiges einkaufen? Ich hoffe, er zieht sich einen blauen Strampelanzug an und rettet kurz die Welt, denn ansonsten wird sich mein Verständnis in äußerst engen Grenzen halten.
Sein Angebot stattdessen, man könne sich ja morgen früh in der Stadt treffen, da hätte man dann ja eine Gelegenheit.
Jetzt erfahre ich, er musste vor seinem Termin noch in die Reinigung. Na, das erklärt alles. Da bin ich ja jetzt beruhigt.
Ich bin zum Glück nicht angestellt hier. Heißt, ich werde mal intensiv über meine Zukunft nachdenken müssen. Ich brauch nicht viel, aber wenn meine Leistung nicht entsprechend honoriert wird - und damit meine ich nicht nur finanzielle Aspekte -, dann muss ich die Frage stellen, ob das noch die richtige Partnerschaft ist.
Ausgerechnet ich, der ständig gute gelaunte und nach eigenem Bekunden sehr zufriedene Berufsoptimist ergiesst sich hier in dramatischer, ach was sag ich, tragischer Prosa. Das muss aufhören.
Freitag, 29. Juni 2007
Dieses Blog wird nicht-öffentlich
Ich habe eben mal wieder von einer völlig unsinnigen Abmahnung gegen einen Blogbetreiber erfahren. Da ich keine Lust habe, jeden Beitrag und jeden Kommentar hier auf die noch so unwahrscheinliche Rechtsverletzung hin zu überprüfen, werde ich dieses Blog bis auf weiteres nicht der breiten Öffentlichkeit, sondern nur guten Freunden bekannt machen, denen ich vertraue. Ihr erhaltet jetzt nach und nach Einladungen. Wer es dann von Euch lesen will, kann es tun, wer nicht, lässt es halt bleiben. Für diejenigen von Euch, die noch nicht erkennen können, wer ich bin, kann mir ja einen Kommentar hinterlassen. Bei denen werde ich mich dann zu erkennen geben.
Ich weiß, es ist nervig, man muss ein Google-Konto eröffnen, ansonsten ist nach 30 Tagen Probezeit die Kiste zu und man kann dieses Blog nicht mehr lesen. Aber wie gesagt, diejenigen von Euch, die es interessiert, sollten nicht zögern. Ein Googlekonto verpflichtet zu nichts und ist ruckizucki erstellt.
Es würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn ihr regelmäßig hier reinschaut und es mir gelingen sollte, Euch ein wenig zu unterhalten mit meinem Sermon.
Auf diese Art und Weise kann ich jedenfalls noch ungeschminkter und zynischer kommentieren.
Ich weiß, es ist nervig, man muss ein Google-Konto eröffnen, ansonsten ist nach 30 Tagen Probezeit die Kiste zu und man kann dieses Blog nicht mehr lesen. Aber wie gesagt, diejenigen von Euch, die es interessiert, sollten nicht zögern. Ein Googlekonto verpflichtet zu nichts und ist ruckizucki erstellt.
Es würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn ihr regelmäßig hier reinschaut und es mir gelingen sollte, Euch ein wenig zu unterhalten mit meinem Sermon.
Auf diese Art und Weise kann ich jedenfalls noch ungeschminkter und zynischer kommentieren.
Donnerstag, 28. Juni 2007
Deprimiert
Heute bin ich etwas deprimiert, was aber nach gestriger Aktion von Boss wohl kein Wunder ist. Er selbst ist bislang nicht aufgetaucht. Ob es daran liegt, dass hier heute ein völlig unspektakulärer Tag abläuft? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...
Meine Assistentin ist ebenfalls schlecht auf ihn zu sprechen, vielleicht meidet er ja den Konflikt. Er muss leider an uns vorbei, wenn er in sein Büro will.
Heute morgen mit einer netten Kollegin, Arbeitsrechtlerin und Prozessbevollmächtigte der Gegenseite einen wohl für beide Seiten halbwegs akzeptablen Vergleich abgeschlossen, an dem wir jetzt 6 Wochen verhandelt haben wie persische Teppichhändler. Eigentlich mag ich das nicht, aber die Kollegin war sehr angenehm, das hilft bei den Verhandlungen. Merkt Euch das mal, ihr stinkstiefeligen Aggressivprozesshansels. Wie schon mein alter Freund immer zu sagen pflegte, "wer fic... will, muss freundlich sein, Guten Tag!"
Meine Intellimaus hat sich auch noch nicht gemeldet, obwohl ich ihr heute morgen mein ganzes Leid per Email geklagt habe. Naja, ihr gehts auch nicht besser. 200km von ihrem Wohnort entfernt in so einem 100.000 Einwohner-Nest, wo sie tageweise in der Firmenzentrale ihre Arbeit verrichten muss, obwohl sie eigentlich in der Dependance in der Nachbarschaft unserer Wohnung arbeitet, ist auch nicht gerade der Traum. Außerdem können wir uns an den Tagen nicht sehen und nur miteinander telefonieren. Das brachte gestern leider auch nicht viel, denn in der Kneipe, in der ich mir gestern mein Frustbierchen in den Leib schüttete, war es so laut, dass wir das Telefongespräch auf "wie geht's Dir? Was hast Du gesagt? Schlaf gut!" beschränkt haben. Melde Dich Du schlaues Wesen, das mir schon vor fünf Jahren prophezeit hat, wie ich heute dastehe.
Meine Assistentin ist ebenfalls schlecht auf ihn zu sprechen, vielleicht meidet er ja den Konflikt. Er muss leider an uns vorbei, wenn er in sein Büro will.
Heute morgen mit einer netten Kollegin, Arbeitsrechtlerin und Prozessbevollmächtigte der Gegenseite einen wohl für beide Seiten halbwegs akzeptablen Vergleich abgeschlossen, an dem wir jetzt 6 Wochen verhandelt haben wie persische Teppichhändler. Eigentlich mag ich das nicht, aber die Kollegin war sehr angenehm, das hilft bei den Verhandlungen. Merkt Euch das mal, ihr stinkstiefeligen Aggressivprozesshansels. Wie schon mein alter Freund immer zu sagen pflegte, "wer fic... will, muss freundlich sein, Guten Tag!"
Meine Intellimaus hat sich auch noch nicht gemeldet, obwohl ich ihr heute morgen mein ganzes Leid per Email geklagt habe. Naja, ihr gehts auch nicht besser. 200km von ihrem Wohnort entfernt in so einem 100.000 Einwohner-Nest, wo sie tageweise in der Firmenzentrale ihre Arbeit verrichten muss, obwohl sie eigentlich in der Dependance in der Nachbarschaft unserer Wohnung arbeitet, ist auch nicht gerade der Traum. Außerdem können wir uns an den Tagen nicht sehen und nur miteinander telefonieren. Das brachte gestern leider auch nicht viel, denn in der Kneipe, in der ich mir gestern mein Frustbierchen in den Leib schüttete, war es so laut, dass wir das Telefongespräch auf "wie geht's Dir? Was hast Du gesagt? Schlaf gut!" beschränkt haben. Melde Dich Du schlaues Wesen, das mir schon vor fünf Jahren prophezeit hat, wie ich heute dastehe.
Mittwoch, 27. Juni 2007
Philosophie des Tages
Es gibt keine falschen Entscheidungen. Falsch sind nur Entscheidungen, die zu spät getroffen oder nicht konsequent ausgeführt wurden. Was wir gemeinhin als falsche Entscheidung bezeichnen, sind unerwünschte Ergebnisse der getroffenen Entscheidung. Ob diese falsch war oder nicht, können wir nicht wissen, denn zu welchem Ergebnis es gekommen wäre, hätten wir uns anders entschieden, werden wir nie erfahren. Dafür wirken zuviele Faktoren auf dem Weg zwischen Entscheidung und Ergebnis, die nicht von unserem Zutun beeinflussbar sind. Faktoren, die wir beeinflussen können, sind Entscheidungen.
Die Verbannung aus dem Olymp!
Boss will, dass ich mein jetziges Büro räume und in ein anderes Büro umziehe. Das liegt derzeit direkt zwischen seinem Büro und dem seiner beiden Assistentinnen. Logischerweise bekomme ich hier alles mit, auch seine privaten Dinge. Aber was denkt er denn, dass ich irgendwelche geschäftlichen oder privaten Dinge ausplaudere, die niemanden etwas angehen? So ein Blödsinn, erstens säge ich nicht auf dem Ast, auf dem ich sitze und zweitens habe ich gedacht, wir seien Freunde. Da vertraut man sich doch gegenseitig. Ok, eine gewisse Vorsicht ist immer angebracht und woher soll er wissen, dass er mir blind vertrauen kann. Für so etwas gibt es leider keine Garantien. Aber erst holt er mich her und jetzt schickt er mich wieder weg, was ist das für eine Logik? Was soll's, ich habe es hier eh nicht besonders gemocht und je weiter ich aus seinem Wahrnehmungskreis heraus bin, umso besser kann ich mich entfalten. Ist nur ein seltsames Gefühl, wenn einem das (scheinbare) Vertrauen wieder entzogen wird. Hier liegt er mit seiner sonst so guten Intuition ausnahmsweise mal falsch. Wir beide werden in den nächsten Tagen wohl mal ein ernstes Gespräch führen müssen.
nervige Kaltakquise
Jetzt hatte ich schon wieder einen dieser nervigen Anrufe, bei denen mir irgendein Personaldienstleister seine Sklaven aufs Auge drücken will. Gestern bekam ich Post von einem Kreditmanagementunternehmen, deren Telefonmitarbeiterin ich am Telefon abgebügelt hatte. Die meinen tatsächlich, weil wir ein Unternehmen seien, könnte man uns so einfach anrufen und uns irgendeinen Mist anpreisen, den wir nicht brauchen. Weit gefehlt, denn ohne direkten Sachzusammenhang zu unserem Geschäft ist das genauso ein Verstoß gegen das UWG, wie eine telefonische Kaltakquise bei einer Privatperson. Irgendwie konsequent, dass besagte Kreditmanagementfirma gleich noch eine Imagebroschüre mit ihren Dienstleistungen beifügte und einen erneuten Anruf in zwei Wochen androht, da ich ja nach der Lektüre der Broschüre sicherlich einige Fragen haben werde, die man mir dann beantwortet. Na, den Zahn werde ich denen jetzt mal ziehen.
Kickoff
Hallo Welt! Da scheinbar einige von Euch geneigten Lesern ein Riesenvergnügen daran haben, über das Leben der anderen zu lesen und ich gleichzeitig schon seit einiger Zeit den unglaublichen Drang verspüre, der Welt Geschichten zu erzählen, eröffne ich diesen Blog. Was unterscheidet dieses Blog von allen anderen schon existierenden Blogs, das es sich lohnt, zu lesen? Dazu zunächst einmal etwas über mich und was ihr künftig hier nachlesen könnt.
Ich gehe auf die 40 an und bin Syndikusanwalt in einem mittelgroßen Großhandelsunternehmen irgendwo in Deutschland. Ich will hier noch nicht zu sehr auf meine Person eingehen, aber im Gegensatz zu manch anderem bloggenden Juristen bin ich mit meiner Arbeit und vor allem mit meinem Leben sehr zufrieden oder zumindest glaube ich das. Vielleicht rede ich mir das alles nur ein, denn natürlich habe ich meine Ziele, die ich logischerweise noch nicht erreicht habe.
Meine Ausbildung und meine Position hier in der Geschäftsleitung des Unternehmens führt zwangsläufig dazu, dass ich stark interdisziplinär tätig bin, heißt ich bin sowas wie ein "Mann für alle Fälle". Verwechselt das nicht mit einem "Ar... vom Dienst", denn ich bin hier schon eine Führungsperson. Ich habe ein Ohr für alle und helfe jedem hier, der Hilfe braucht, aber ich lasse mich nicht verarschen und das vorletzte Wort habe ich. Wer das letzte Wort hat, werdet Ihr jetzt fragen? Der Inhaber dieses schönen Unternehmens, wer sonst? Irgendwer hat einmal geschrieben, "wer das Gold hat, der bestimmt" und genauso läuft es hier ab.
Das genau ist die Basis, das Fundament des alltäglichen Wahnsinns, der hier abgeht, denn genau dieser Mensch ist hier qua seiner Stellung als Eigentümer der einzige Boss (Gxxx). Schön und gut könnte man sagen, das ist ja im Mittelstand nichts ungewöhnliches. Dem widerspreche ich eigentlich nicht, aber die Situation hier ist schon ein wenig anders gelagert. Der Boss kommt gegen 10.00 Uhr, geht gegen 12.00 Uhr, kommt dann wieder gegen 16.00 Uhr um spätestens um 17.00 Uhr wieder aus der Türe zu sein. Und damit rede ich von den arbeitsreichen Tagen, an denen er überhaupt seine Nase ins Büro steckt. Aber dafür glaubt er alles zu wissen. Da das Wissen eine der Grundlagen der Entscheidungsfindung ist, kommt es hier bisweilen zu recht abstrusen Entscheidungen, die wiederum den ein oder anderen bizarren Prozess in Gang setzen oder aber den Kurs des Schiffes konträr zum eigentlichen Ziel ausrichten. Leider sind die meisten Ameisen hier nicht gerade mit großer Weisheit gesegnet, weshalb so manches Projekt lemminghaft in den Abgrund getrieben wurde. Übrigens, der andere Pfeiler der Entscheidungsfindung ist die Intuition, und diese ist beim Boss überaus gut ausgeprägt. Darum sind wir erfolgreich.
Ich gehe auf die 40 an und bin Syndikusanwalt in einem mittelgroßen Großhandelsunternehmen irgendwo in Deutschland. Ich will hier noch nicht zu sehr auf meine Person eingehen, aber im Gegensatz zu manch anderem bloggenden Juristen bin ich mit meiner Arbeit und vor allem mit meinem Leben sehr zufrieden oder zumindest glaube ich das. Vielleicht rede ich mir das alles nur ein, denn natürlich habe ich meine Ziele, die ich logischerweise noch nicht erreicht habe.
Meine Ausbildung und meine Position hier in der Geschäftsleitung des Unternehmens führt zwangsläufig dazu, dass ich stark interdisziplinär tätig bin, heißt ich bin sowas wie ein "Mann für alle Fälle". Verwechselt das nicht mit einem "Ar... vom Dienst", denn ich bin hier schon eine Führungsperson. Ich habe ein Ohr für alle und helfe jedem hier, der Hilfe braucht, aber ich lasse mich nicht verarschen und das vorletzte Wort habe ich. Wer das letzte Wort hat, werdet Ihr jetzt fragen? Der Inhaber dieses schönen Unternehmens, wer sonst? Irgendwer hat einmal geschrieben, "wer das Gold hat, der bestimmt" und genauso läuft es hier ab.
Das genau ist die Basis, das Fundament des alltäglichen Wahnsinns, der hier abgeht, denn genau dieser Mensch ist hier qua seiner Stellung als Eigentümer der einzige Boss (Gxxx). Schön und gut könnte man sagen, das ist ja im Mittelstand nichts ungewöhnliches. Dem widerspreche ich eigentlich nicht, aber die Situation hier ist schon ein wenig anders gelagert. Der Boss kommt gegen 10.00 Uhr, geht gegen 12.00 Uhr, kommt dann wieder gegen 16.00 Uhr um spätestens um 17.00 Uhr wieder aus der Türe zu sein. Und damit rede ich von den arbeitsreichen Tagen, an denen er überhaupt seine Nase ins Büro steckt. Aber dafür glaubt er alles zu wissen. Da das Wissen eine der Grundlagen der Entscheidungsfindung ist, kommt es hier bisweilen zu recht abstrusen Entscheidungen, die wiederum den ein oder anderen bizarren Prozess in Gang setzen oder aber den Kurs des Schiffes konträr zum eigentlichen Ziel ausrichten. Leider sind die meisten Ameisen hier nicht gerade mit großer Weisheit gesegnet, weshalb so manches Projekt lemminghaft in den Abgrund getrieben wurde. Übrigens, der andere Pfeiler der Entscheidungsfindung ist die Intuition, und diese ist beim Boss überaus gut ausgeprägt. Darum sind wir erfolgreich.
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